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12. Februar 2026
Schweigen entsteht dort, wo Vertrauen fehlt
Die neue Studie des BKA zeigt, dass weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen angezeigt werden. Das hängt auch mit den Kapazitäten des öffentlichen Dienstes zusammen.
dbb-Bundesvorsitzender Volker Geyer betonte am 12. Februar 2026: „Unser Anspruch muss sein, das Dunkelfeld so weit wie möglich zu schließen. Das gelingt nur mit ausreichendem Personal, verlässlichen Strukturen und gezielten Investitionen in die besonders belasteten Bereiche des öffentlichen Dienstes. Überlastete Behörden können kein wirksames Schutznetz sein.“ Es sei gemeinsames Vorgehen auf allen Ebenen notwendig: „Bund, Länder und Kommunen müssen abgestimmt handeln. Schutzräume, Frauenhäuser und Beratungsstellen dürfen nicht von Haushaltslagen abhängen. Sicherheit ist eine Kernaufgabe des Staates.“
Geyer weiter: „Unsere Kolleginnen in Polizei, Justiz, Schulen, sozialen Diensten und Verwaltungen tragen täglich Verantwortung für andere. Sie beraten Betroffene, dokumentieren Verletzungen, führen Verfahren. Gleichzeitig sind viele von ihnen selbst von sexueller Belästigung, Stalking oder partnerschaftlicher Gewalt betroffen. Sie tragen Uniform oder Amtsbezeichnung und erleben dennoch dieselben Grenzverletzungen, die die Studie beschreibt. Das verlangt mehr als warme Worte. Es verlangt Schutzkonzepte, verlässliche psychosoziale Unterstützung und eine klare Haltung der Dienstherren.“
Kreutz: „Muss uns als Gesellschaft beschämen“
„Jede zweite Frau hat bereits sexuelle Belästigung erlebt. Das muss uns als Gesellschaft beschämen“, machte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung deutlich. Die Studie zeige zudem, dass Frauen häufiger und in besonderer Weise von partnerschaftlicher und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen seien, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking. „Hier wird ein strukturelles Ungleichgewicht sichtbar, das wir nicht relativieren dürfen.“
„Auch das Ausmaß nicht angezeigter Gewalt erschüttert. Wenn 19 von 20 Taten im Verborgenen bleiben, dann stimmt etwas im System nicht. Schweigen entsteht nicht im luftleeren Raum. Es wächst dort, wo Vertrauen fehlt oder Unterstützung nicht leicht zugänglich ist.“ Denn hinter den Zahlen liegen die Geschichten echter Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensbiografien. „Sie eint die Erfahrung, dass ihre Grenzen missachtet und ihre Würde verletzt wurde. Sie eint das Gefühl, in einem Moment der Entwürdigung allein gewesen zu sein. Und sie eint leider viel zu oft das Schweigen danach.“
Gewaltprävention beginnt in der Schule
Simone Fleischmann, stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende und Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes forderte mehr Sensibilisierung in der Bildung für das Thema: „Nicht nur Sicherheit und Intervention sind gefragt, sondern auch eine Haltung, die Gewalt ablehnt. Gewaltprävention beginnt nicht erst im Strafrecht, sondern in den Schulen, in der digitalen Bildung, in der Jugendhilfe und in einer verlässlichen sozialen Infrastruktur.“ Diese Institutionen spielen eine tragende Rolle bei der Persönlichkeitsbildung. Gleichzeitig gab Fleischmann zu bedenken, dass auch die Bildungseinrichtungen entsprechende Kapazitäten und Schulungen brauchten. „Diese Investitionen sind allerdings absolut notwendig. In den Schulen sitzt die Gesellschaft von morgen. Wer hier spart, zahlt später einen hohen gesellschaftlichen Preis.“
dbb frauen: Kritik an irreführenden Aussagen von Prien
Kreutz kritisierte zudem die Kommunikation von Bundesfamilienministerin Karin Prien zu der Studie: „Die Familienministerin rückt das Bild von Jungen und Männer, die 'in ihrem Rollenverständnis so stark verunsichert sind, dass sie zu Gewalt greifen', in den Vordergrund. Dadurch verschiebt sie sich der Fokus erneut weg vom Kern des Problems. Die Studie beschreibt ein strukturelles Gewalt- und Machtproblem. Sie dokumentiert geschlechtsspezifische Ungleichgewichte, höhere Belastungen und gravierendere Folgen für Frauen. Das muss Maßstab politischer Schlussfolgerungen sein und nichts Anderes.“
Die dbb frauen-Chefin unterstrich: „Wenn für die Familienministerin das Schockierendste an dem Ergebnis ist, dass Männer und Frauen gleichermaßen zu 46 Prozent von psychischer Gewalt in der Partnerschaft betroffen seien, dann stellt sie die Ergebnisse verkürzt und irreführend dar.“ Denn die Studie zeigt für Gewalt innerhalb von Partnerschaften deutliche Unterschiede: 48,7 Prozent der Frauen berichten von psychischer Gewalt, gegenüber 40 Prozent der Männer. Vor allem aber macht die Untersuchung deutlich, dass Frauen eine höhere Inzidenz (Anzahl Gewalthandlungen pro 1.000 Personen) erleben, stärkere Angst empfinden und die Gewalt als schwerwiegender bewerten. „Genau diese Unterschiede sind aber zentral für die Einordnung und dürfen nicht unter den Tisch fallen“, machte Kreutz deutlich. „Wer stattdessen eine vermeintliche Gleichverteilung betont, relativiert die tatsächliche Dimension geschlechtsspezifischer Gewalt.“
Ursprünglich veröffentlicht unter https://www.dbb.de
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